Der Immobilienmarkt in Koblenz und Umgebung ist in Bewegung, der Trend ist eindeutig: Ein Eigenheim fürs ganze Leben, das war einmal. Mit Blick aufs Alter denken viele darüber nach, sich noch einmal neu zu orientieren. Was gilt es zu beachten?

Das Haus in der Peripherie wird verkauft, ein Umzug in zentrale Lagen mit seniorengerechten Wohnungen anvisiert. Doch noch ist die Nachfrage weitaus größer als das Angebot. Das dürfte sich schon bald ändern. Davon sind Immobilienexperten überzeugt.

Wer auf dem neuesten Stand und vor allem in zentraler Lage im Eigentum wohnen will, muss tief in die Tasche greifen. Für eine seniorengerechte Einheit mit Stellplatz am oder im Haus wird in Koblenz selbst die magische Grenze von 4000 Euro pro Quadratmeter oft überschritten. Dennoch ist die Nachfrage enorm. Das bestätigt auch David Spoden vom Koblenzer Immobilienentwickler Cobau. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Der Kauf nach dem traditionellen Baustellentermin im Rohbau ist weitgehend Geschichte. Die Kaufbereitschaft ist schon da, wenn Kunden die Pläne geprüft und für sie gut befunden haben. Die Barrierefreiheit fürs Alter ist dabei kein großes Sonderthema mehr, hat Moritz Klöckner festgestellt. Was auf den ersten Blick paradox erscheint, ist bei näherer Betrachtung schlüssig.

Die meisten Käufer in spe setzen die seniorengerechte Ausstattung angesichts steigender Preise voraus. Klöckner, Direktor des gleichnamigen Koblenzer Immobilienunternehmens, warnt deshalb vor überstürzten Kaufentscheidungen. Denn etliche Immobilien auf dem Markt entsprechen nicht dem, was man für den hohen Preis erwarten kann. Er und seine Kollegen setzen deshalb auf Marktpräsenz. Für professionelle Beratung werben, war für Moritz Klöckner auch das Motiv, sich an der Immobilienmesse der Rhein-Zeitung am Samstag in der Rhein-Mosel-Halle zu beteiligen.

Dabei war auch ein weiterer Trend zu erkennen: das Neuentdecken des eigenen Bestands. Denn viele können sich die zentrale, optimal ausgestattete und altersgerechte Wohnungen eben nicht leisten, auch wenn es ihnen gelungen ist, Rücklagen fürs Alter zu bilden.

Für diese Gruppe bleibt eine Alternative: die Generalsanierung der eigenen vier Wände. Architekt Jens Ternes bestätigt, dass sich die Anfragen von potenziellen Bauherren häufen, die speziell diesen Wunsch haben. Ihre Eigenheime wurden in der Regel in den 60er- und 70er-Jahren gebaut, jetzt steht die Erneuerung von Haustechnik, Dächern und Fenstern samt Isolierung an. Im Zuge der bevorstehenden gravierenden Eingriffe in die Substanz werden störende Schwellen und Stufen beseitigt, Zugänge verbreitert und barrierefreie sanitäre Anlagen eingebaut.

Doch nicht immer ist das möglich. „Manche Häuer sind einfach fertig“, sagt Jens Ternes und zielt damit auf die Tatsache, dass gerade Objekte aus den 60er-Jahren oft marode ist, weil das Baumaterial nicht die wünschenswerte Qualität hat. Der Architekt hat beobachtet, dass angesichts dieser Tatsache die Bereitschaft gestiegen ist, an gleicher Stelle komplett neu zu bauen. Das lohnt sich meistens nur dann, wenn die innenstadtnahe Anbindung gewährleistet ist – zum Beispiel in den Höhenstadtteilen oder im Koblenzer „Speckgürtel“.

Manfred Diehl, CDU-Ratsmitglied und Immobilienspezialist, erinnert eine noch junge Entwicklung: den Verzicht auf Eigentum mit Blick aufs eigene Alter und den Umzug in eine kleinere, aber hochwertige Mieteinheiten. Diehl weist darauf hin, dass diese Praxis in Deutschland bislang nicht so stark verbreitet ist wie zum Beispiel in den USA. Aber das ändert sich gerade. Der Markt verwandelt sich, was auch in Koblenz spürbar ist. Diehl verweist exemplarisch auf die Weißer Höfe, in denen reine Mietwohnungen entstehen oder das Königsmarcksche Quartier, in dem barrierefreie Wohnungen von den Eigentümern weitervermietet wurden. Daraus ergibt sich ein weiterer Trend: die altersgerechte Immobilie als Kapitalanlage. Denn angesichts niedriger Zinsen für Baufinanzierung und schlechter Renditen für Geldanlagen sind vor allem neue, hochwertige Wohnungen beliebte Anlage- und Investitionsobjekte.

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

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